«Wenn alles Priorität hat, hat nichts Priorität.»

Ein Chitchat mit Lora Sibai über Fokus, Struktur und effizientes Marketing

6. August 2026

Das Postfach füllt sich im Minutentakt. Drei «kurze» Meetings dauern länger als geplant. Zwischen Content Ideen, KPI-Reports und spontanen «Kannst du da noch schnell…?» verliert man schnell den Überblick. Kommt euch bekannt vor?

Genau darüber haben wir mit Lora Sibai gesprochen. Als Social Media Specialist bei SR-STUDIOS kennt sie den Spagat zwischen kreativer Arbeit, operativen Aufgaben und spontanen Anforderungen nur zu gut. Die entscheidende Frage dabei: Arbeiten wir eigentlich noch zielorientiert oder sind wir einfach nur beschäftigt?

Denn eines ist sicher: Viel Output bedeutet nicht automatisch viel Impact.

Lora Sibai, Social Media Specialist bei SR-STUDIOS, sitzt in Gedanken versunken an ihrem Laptop an einem weißen runden Tisch, umgeben von einem Kopfhörer und einer Monstera-Pflanze. Sie stützt ihr Kinn nachdenklich auf die linke Hand. | SR-STUDIOS

Beschäftigt sein ist nicht dasselbe wie Wirkung erzielen

«Viele Aufgaben zu erledigen fühlt sich produktiv an», erzählt Lora. «Aber nicht jede Aufgabe bringt uns wirklich weiter.»

Gerade im Marketing ist die Versuchung gross, ständig etwas zu machen. Noch ein Posting, noch ein Meeting, noch eine schnelle Anpassung. Die To-Do Liste wird kürzer – zumindest für einen Moment.

Doch genau hier liegt die Herausforderung. Nicht alles, was dringend erscheint, bringt einen näher ans Ziel. Und nicht jede Aufgabe verdient die gleiche Aufmerksamkeit.

Für Lora beginnt effizientes Arbeiten deshalb immer mit einer einfachen Frage: Welchen Beitrag leistet diese Aufgabe eigentlich zu unserem Ziel? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, wird aus Aktivität echte Wirkung. Aus «Wir müssen etwas posten» wird eine bewusste Entscheidung. Aus Aktionismus wird Strategie.

Struktur schafft Freiraum

«Ohne Struktur bist du weg», sagt Lora und lacht. Ganz unrecht hat sie nicht.

Zwischen Content Produktion, Kampagnenplanung, Meetings und spontanen Anfragen kann man sich schnell in Aufgaben verlieren. Wer keinen Überblick hat, arbeitet oft nur noch reaktiv.

Deshalb spielen klare Prozesse im Marketing Alltag eine grössere Rolle, als viele vermuten. Klare Verantwortlichkeiten, saubere Briefings, definierte Feedbackschleifen und eine gute Planung sorgen dafür, dass weniger Energie für organisatorische Fragen verloren geht.

Denn Hand aufs Herz: Wie oft entstehen Verzögerungen, weil unklar ist, wer verantwortlich ist? Welche Version die Aktuelle ist, oder ob etwas bereits freigegeben wurde? Genau solche kleinen Unsicherheiten kosten Zeit, Nerven und Kreativität. 

Für Lora ist Struktur deshalb kein Kreativitätskiller, sondern die Grundlage dafür, dass kreative Ideen überhaupt entstehen und umgesetzt werden können.

Struktur schafft Orientierung und damit den Freiraum für Kreativität.

Lora Sibai sitzt an ihrem Laptop an einem runden weißen Tisch und blickt zu einer Kollegin auf, die über sie gebeugt steht und ihr ein offenes Notizbuch zeigt, um Inhalte zu besprechen. Der Tisch ist mit einem Laptop, Pantone-Fächern und Zimmerpflanzen gefüllt. | SR-STUDIOS

Priorisieren statt auf alles gleichzeitig reagieren

Wer im Marketing arbeitet, kennt das Gefühl: Alles scheint wichtig zu sein. Die neue Kampagne, die Anfrage von Kund:innen, die spontane Idee für Social Media, das Reporting, die E-Mails oder das nächste Meeting. Plötzlich hat alles Priorität.

Und genau dann entsteht das eigentliche Problem. Denn wenn alles gleichzeitig wirkt, fällt es schwer zu erkennen, was wirklich Wirkung erzielt.

Bei SR-STUDIOS versuchen wir deshalb bewusst, nicht nach Lautstärke zu priorisieren. Oder wie Lora es formuliert: «Wenn alles brennt, priorisieren wir nicht nach Lärm, sondern nach Impact.»

Das bedeutet nicht, dass unwichtige Aufgaben ignoriert werden. Es bedeutet vielmehr, bewusst zu entscheiden, welche Aufgaben den grössten Beitrag zum Ziel leisten. Denn ein strategisch geplanter Beitrag mit klarer Zielsetzung kann oft mehr bewirken als mehrere spontane Aktionen ohne Plan.

Fokus ist kein Zufall

Ein weiterer Effizienzkiller wird häufig unterschätzt: ständige Unterbrechungen. Neue Nachrichten, Benachrichtigungen, Rückfragen, Meetings, noch schnell etwas prüfen oder beantworten. Multitasking fühlt sich oft produktiv an, kostet aber mehr Konzentration als man denkt.

Deshalb schafft sich Lora bewusst Zeitfenster, in denen sie sich nur auf eine Aufgabe konzentriert. Ihr persönlicher Trick? Kopfhörer auf, Musik an und volle Konzentration. Im Team ist das längst bekannt. Wer Lora mit Kopfhörern sieht, weiss: Jetzt ist Fokuszeit. 

Denn kreative Ideen, gute Texte oder strategische Konzepte entstehen selten zwischen zehn geöffneten Chats und fünf parallelen Aufgaben. Fokus entsteht nicht von allein. Man muss ihn sich aktiv schaffen.

Lora Sibai, Social Media Specialist bei SR-STUDIOS, legt sich am Arbeitsplatz schwarze Over-Ear-Kopfhörer an, um sich konzentriert in ihre «Fokuszeit» zu begeben. Der Laptop ist teilweise links sichtbar. | SR-STUDIOS

Done ist oft besser als perfekt

Gerade im Marketing gibt es noch eine weitere Falle: Perfektionismus. Natürlich sollen Inhalte hochwertig sein und Kampagnen funktionieren. Doch wer zu lange optimiert, verpasst manchmal den richtigen Zeitpunkt.

Trends warten nicht auf die perfekte Abstimmungsschleife. Kampagnen entwickeln sich oft erst dann weiter, wenn sie tatsächlich ausgespielt werden und echte Daten liefern.

Deshalb gilt häufig: Lieber starten, lernen und optimieren als endlos perfektionieren. Perfektion ist selten der entscheidende Erfolgsfaktor. Lernfähigkeit dagegen schon.

Smarter statt schneller lernen

Am Ende geht es im Marketing nicht darum, möglichst beschäftigt zu wirken. Es geht darum, Wirkung zu erzielen.

Für Lora bedeutet das:

  • Klar denken
  • Bewusst priorisieren
  • Strukturen schaffen
  • Fokus ermöglichen
  • Entscheidungen treffen
  • Und manchmal auch bewusst Nein sagen

Denn die wichtigste Erkenntnis aus unserem Chitchat bleibt: Wenn alles Priorität hat, hat nichts Priorität.

Wer langfristig erfolgreich arbeiten möchte, braucht nicht zwangsläufig mehr Tools, mehr Meetings oder mehr Output. Manchmal braucht es einfach mehr Klarheit darüber, was wirklich zählt.